Wirtschaftsregion

DER GEO-NATURPARK BERGSTRAßE-ODENWALD IST UNESCO-GEOPARK!

Feierliche Übergabe der UNESCO-Urkunde durch Prof. Dr. Maria Böhmer (Staatsministerin im Auswärtigen Amt) in Lorsch  

Der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald ist UNESCO-Geopark!
Landrat Christian Engelhardt (Vorsitzender UNESCO Global Geopark) begrüßte die mehr als 250 Teilnehmer der Veranstaltung (im Hintergrund der Schüler-Eltern-Lehrerchor des Burghardt-Gymnasiums Buchen, einer langjährigen Partnerschule des Geoparks) - © Jutta Weber

15.04.2016 / Nachdem die UNESCO-Generalversammlung im November 2015 zum ersten Mal seit rund 40 Jahren ein neues Programm - das „International Geoparks & Geoscience Programme“ ins Leben gerufen hat, darf der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald als eine von weltweit 120 Regionen das Prädikat „UNESCO Global Geopark“ führen. Eine Auszeichnung, die in ihrer Wertigkeit den UNESCO-Welterbestätten gleichgesetzt ist.

Die feierliche Übergabe der UNESCO-Urkunde erfolgte nun im Rahmen eines Festaktes, dem neben Ministerpräsident Volker Bouffier und Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer (Auswärtiges Amt, Berlin) auch Dr. Margarete Patzak (UNESCO, Paris) und Prof. Dr. Hartwig Lüttke (Deutsche UNESCO-Kommission) sowie zahlreiche Ehrengäste aus der Region und weit darüber hinaus beiwohnten.

Der Vorsitzende des UNESCO-Geoparks, Landrat Christian Engelhardt hieß die Gäste willkommen und führte aus:„„In einer Region, die mit einzigartigen Landschaften gesegnet ist, leben zu können, ist ein besonderes Privileg. Der Naturpark Bergstraße-Odenwald darf sich zu einem weltumspannenden Netz zählen, dem 120 Geoparks aus 33 Ländern angehören, wie beispielsweise die schottischen Shetland-Inseln oder das spanische Lanzarote. In Deutschland sind es bislang sechs Regionen, die sich „UNESCO Global Geopark“ nennen dürfen. Und unser Naturpark gehört dazu! Diese Wertschätzung gegenüber unserem Lebensraum ist überwältigend. Wer die Welt etwas bereist hat und Gelegenheit hatte, die Naturschönheiten anderer Länder und Kontinente kennen zu  lernen, kann ermessen, was es bedeutet, ein solches Gütesiegel zu erhalten und in dieser Liga mitspielen zu dürfen. 

Der Geopark ist eine Erfolgsgeschichte und ein Besuchermagnet von unschätzbarem Wert für die gesamte Region, der in den letzten 10 Jahren rund 100 Millionen Euro in den Wirtschaftskreislauf unserer Region gebracht hat. Dies sind enorme Wertschöpfungseffekte von denen wir alle profitieren. Das Gütesiegel UNESCO Global Geopark ist nicht nur die höchste Auszeichnung, sondern auch eine Aufforderung, den Naturpark gemeinsam weiterzuentwickeln und die vorhandenen Naturschönheiten im Sinne des UNESCO-Geopark-Programms erlebbar zu machen“.

Er erinnerte daran, dass der UNESCO-Geopark bereits im Jahr 2002 als Europäischer Geopark ausgezeichnet wurde und im Jahr 2004 eines der 25 Gründungsmitglieder war, als vor nunmehr zwölf Jahren das Globale Geopark-Netzwerk mit Unterstützung der UNESCO (GGN) ins Leben gerufen  wurde. In diesem Zusammenhang begrüßte Engelhardt auch seine beiden Vorgänger Landrat a.D. Norbert Hofmann, der im Jahr 2000 den Anstoß zur Entwicklung des Geoparks gegeben hat, sowie Landrat a.D. Matthias Wilkes, der ihn den vergangenen 11 Jahren maßgeblich weiter entwickelte. Seither wurde der Geo-Naturpark bereits dreimal international äußerst erfolgreich überprüft und genießt im Globalen Geopark-Netzwerk einen hervorragenden Ruf.

Anschließend überbrachte Frau Dr. Margarete Patzak (UNESCO, Pais) die Grüße der aus 195 Staaten bestehenden Weltgemeinschaft und erinnerte sie an die Grundaufgaben der UNESCO, den Frieden zwischen den Völkern zu fördern und für die Gleichheit aller Menschen einzutreten. Sie umriss den außerordentlichen Wert des neuen Programms, das einen ganzheitlichen Blick auf unseren Planeten wirft und sich gemeinsam mit den Menschen vor Ort dem Erhalt, der Vermittlung und der nachhaltigen Entwicklung der Regionen widmet. Dabei betonte sie ausdrücklich die aktive und konstruktive Rolle, die der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald auch auf internationaler Ebene spielt und dankte dem Team um Geschäftsführer Reinhard Diehl für sein hohes Engagement.  

Auch Ministerpräsident Volker Bouffier zeigte sich begeistert:

 „Schon heute zählt der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald zu den national wie international erfolgreichsten Natur- und Geoparks. Die Auszeichnung als UNESCO Global Geopark ist die höchste Anerkennung, die die Weltgemeinschaft zu vergeben hat und eine tolle Bestätigung für die geleistete Arbeit. Diesen Titel erhalten nur Stätten, die im internationalen Maßstab einen besonderen Wert haben und eine einzigartige Landschaft aufweisen. Wir können stolz sein, einen solch wertvollen Schatz bei uns in Hessen zu haben“,führte erin seinen Grußworten aus.  

Daneben betonte er„…der Geo-Naturpark ist ein wunderbarer Ort, an dem man anschaulich auf Entdeckungsreise durch 500 Millionen Jahre faszinierender Natur- und Kulturgeschichte gehen kann. Er gewährt seinen Besuchern faszinierende Einblicke in die Erdgeschichte und hilft damit, die komplexen Prozesse zu begreifen, die zur Entstehung unserer Erde geführt haben. Darüber hinaus macht er Umwelt- und Naturschutz konkret und hautnah erlebbar und ist ein wunderbares Tourismusziel – und das direkt vor der eigenen Haustür“.

So haben die 20 Informationseinrichtungen, 36 Geopark-Pfade, über 400 Geopunkte der Region ein neues Gesicht gegeben. Mit den zahlreichen Kooperationspartnern, den eigens  qualifizierten Geopark-Rangern, Vor-Ort-Begleitern, Wegewarten und Mountainbike-Paten, die alle im Sinne der Region unterwegs sind, hat der Geo-Naturpark ein hochwirksames Netzwerk geschaffen, das Bewohnern und Besuchern gleichermaßen einen vielfältigen Service bietet. 

Landschaft erleben, außergewöhnliche Einblicke in unsere Erdgeschichte, Natur und Kultur nehmen, regionale Identität erfahren – das sind keine Floskeln, sondern das sind gelebte Erfahrungen, die sich in den jährlich fast 1000 Veranstaltungsangeboten des Geo-Naturparks widerspiegeln. Und das Erfolgsrezept bei allen Aktivitäten: Kontinuität, Kooperation, Kreativität und gemeinsame Weiterentwicklung des vielfältigen Potenzials vor Ort.

Diese Aspekte griff Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard in seiner Festrede auf und stellte den Geopark und sein hochrangiges Prädikat darüber hinaus in den großen Zusammenhang des Wirkungsgefüges von Erde, Natur, Mensch und Kultur. Er erinnerte eindrücklich an die Verantwortung, die uns allen zukommt, unser Erbe für die Nachwelt zu bewahren und nachhaltig mit der Ressource Natur und Landschaft umzugehen.

Höhepunkt des Festaktes war die Überreichung der UNESCO-Urkunde durch Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer (Auswärtiges Amt), die in ihrer Ansprache auf die Beteiligung der Bundesrepublik bei den UNESCO-Programmen einging und ihre Freude über das neue Geopark-Programm sowie seine vielfältigen Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten zum Ausdruck brachte:

 „Dass wir heute die Aufnahme des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald in das Netzwerk der UNESCO Global Geoparks beurkunden, ist das ein wirklicher Grund zur Freude. Wenn wir im Auswärtigen Amt ein wenig dazu beitragen konnten, würde uns das sehr freuen.

Die Gründung des UNESCO-Geoparkprogramms reiht sich ein in der Bemühungen der Weltgemeinschaft ein, zukünftigen Generationen einen lebenswerten Planeten zu überlassen. Damit verbindet sich eine große Hoffnung: Wer um die Entwicklung unseres Planeten weiß, wird zukünftig sensibler mit unserer Natur und Umwelt umgehen. Die Herausforderungen, denen wir im 21. Jahrhundert gegenüberstehen, sind gewaltig. Um sie zu meistern, brauchen wir Vorbild-Regionen. Regionen, die zeigen, wie nachhaltige Entwicklung auf kommunaler und regionaler Ebene gelingen und von Menschen vor Ort vorangetrieben werden kann.

Der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald steht auch für eine besonders reizvolle Verbindung zwischen Geologie und Kultur. Im Park liegen drei wunderbare UNESCO-Welterbestätten: die Grube Messel, der Limes und das Kloster Lorsch.

Das Auswärtige Amt wird die UNESCO Global Geoparks in Deutschland auch in Zukunft unterstützen. Daher haben wir eine Beratungsstelle bei der Deutschen UNESCO-Kommission eingerichtet und ein Nationalkomitee berufen, das in der nächsten Woche zum ersten Mal tagen wird.“

Große Freude herrschte auch bei den Landratskollegen Dr. Achim Brötel (Neckar-Odenwald-Kreis), Frank Matiaske (Odenwaldkreis), Marco Scherf  (Miltenberg), Stefan Dallinger (Rhein-Neckar), Klaus-Peter Schellhaas (Darmstadt-Dieburg), Thomas Will (Groß Gerau) sowie die Oberbürgermeister Heidelbergs (Dr. Eckart Würzner) und Darmstadts (Jochen Partsch): Ob  nachhaltiger Tourismus, öffentliche Präsenz, Umweltbildung oder nachhaltige Regionalentwicklung – die hochrangige Auszeichnung birgt ein hohes Potenzial und bedeutet darüber hinaus eine enorme Aufwertung der gemeinsamen Aktivitäten innerhalb der Region.

Für die musikalische Umrahmung sorgte der Schüler-Lehrer-Eltern-Chor des Burghardt-Gymnasiums Buchen mit eigenem Instrumentalensemble  – 130 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Schuldirektor Jochen Schwab. Ein Engagement der Schule, das nicht nur der Feierstunde pfiffig und hochemotional Würze verlieh, sondern auch im Alltag seine Entsprechung findet: Die dort seit Jahren ansässige und sehr aktive Geopark-AG hat schon weit über die Region hinaus für Furore gesorgt. Das Publikum dankte den Künstlern für ihre mitreißenden Darbietungen  mit „standing ovations“.

Landschaft erleben, außerge­wöhnliche Einblicke in unsere Erdgeschichte, Natur und Kultur nehmen, gemeinsame Projekte entwickeln, regionale Identität entwickeln und damit sowohl Bewohnern wie auch Besuchern neue Perspektiven zu eröffnen, das sind Kernaufgaben, die es – nun im Rahmen des neuen UNESCO-Programms - gemeinsam weiter auszugestalten gilt.

Für diese konstruktive und kontinuierliche Zusammenarbeit sagt der Geo-Naturpark allen Partnern, Mitgliedskommunen und Unterstützern herzlichen Dank und freut sich auf die anstehenden neuen Aufgaben!

 

Zum Hintergrund:

Die UNESCO-Generalversammlung hat eine wegweisende Entscheidung getroffen: Zum ersten Mal seit rund 40 Jahren wird wieder eine neue weltweite Flächenkategorie geschaffen: Das UNESCO-Geopark-Programm – und der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald ist mit dabei.

Seit mehr als 10 Jahren bieten die Globalen Geoparks auf hohem Niveau  außergewöhnliche Einblicke in unsere Erdgeschichte, Natur und Kultur und haben hierzu eine Vielzahl von Angeboten zur Umweltbildung und zur nachhaltigen Entwicklung ihrer Region geschaffen. Das Besondere daran ist – die Entwicklung aller Aktivitäten geschieht zusammen mit den Menschen vor Ort, die ihre Kompetenzen einbringen können und so gemeinsam eine regionale Identität schaffen. Das Erfolgsrezept dabei heißt: Kontinuität, Kooperation, Kreativität und gemeinsame Weiterentwicklung der vielfältigen Potenziale. 

Daher hat die UNESCO im November 2015 beschlossen, das Erfolgsmodell der Globalen Geoparks in einen Programmstatus zu überführen. Damit werden die derzeit weltweit 120 Geopark-Regionen in ihrer Wertigkeit den UNESCO-Welterbestätten und UNESCO-Biospärenreservaten gleichgestellt. Einen derartigen Programmstatus hat die UNESCO erst zweimalig verliehen: Die Welterbestätten wurden im Jahr 1972 ins Leben gerufen, die Biospärenreservate folgten wenig später im Jahr 1976.

Im Rahmen der Debatte wurde ausdrücklich betont, dass die Einrichtung dieses Programms angesichts der globalen Situation als  hoffnungsvolles Signal für die Staatengemeinschaft betrachtet wird.

Neben dem UNECSO-Geopark Bergstraße-Odenwald gehören in der Bundesrepublik Deutschland 5 weitere Geoparks dem neuen UNESCO-Programm an: Harz-Braunschweiger Land-Ostfalen, Muskauer Faltenbogen, Schwäbische Alb, Vulkaneifel, Terra.Vita).

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