Wirtschaftsregion

UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Lorsch

Das 764 gegründete Kloster Lorsch wurde 1991 Mitglied der UNESCO Welterbe-Familie. Es ist das erste UNESCO Welterbe Hessens und steht im Herzen der Stadt Lorsch.

AUFSTIEG ZUM REICHSKLOSTER
Um 764 von der Familie des fränkischen Gaugrafen Rupert gegründet, begann mit der Überführung der Nazarius-Reliquie 765 aus Rom ins Lorscher Kloster der wirtschaftliche Aufstieg der Abtei. In wenigen Jahrzehnten erstreckte sich der Besitz an Gütern aus Schenkungen an den Hl. Nazarius von der Nordseeküste bis nach Graubünden. 772 wurde das Kloster an Karl den Großen übertragen, der es unter seinen Schutz stellte und ihm die Immunität gewährte. Lorsch war nun Reichskloster und vor den Begehrlichkeiten und Zugriffen der umliegenden Bischöfe und Grafen geschützt. Dieses Privileg sollte bis 1232 Bestand haben, als das Kloster an Mainz fiel, die Benediktiner vertrieben und zuerst durch Zisterzienser und diese kurz darauf durch Prämonstratenser ersetzt wurden.

WECHSELVOLLE GESCHICHTE
Seit seiner Gründung in karolingischer Zeit bis weit in das Hochmittelalter zählte das Kloster Lorsch zu den wichtigsten kulturellen Zentren zur Verbreitung der am Königshof entwickelten Bildungsprogramme. Berühmtheit erlangte die Abtei durch ihr Skriptorium und ihre umfangreiche Bibliothek, eine der größten und bedeutendsten des Mittelalters. Heute sind die noch erhaltenen Werke auf weltweit 54 Orte in 17 Ländern verstreut, darunter das berühmte Lorscher Evangeliar. Auch in medizinischer Hinsicht war das Kloster ein wichtiger Vorreiter: Das Lorscher Arzneibuch aus dem Ende des 8. Jahrhunderts ist die älteste erhaltene medizinisch-pharmazeutische Handschrift des abendländischen Mittelalters. Selbst in Deutschlands wohl bekanntester Sage, dem Nibelungenlied, wird das Kloster Lorsch erwähnt und zwar als Grablege Siegfrieds. Wie gesagt: eine Sage. Sicher hingegen war es die Ruhestätte der ersten ostfränkischen Könige aus karolingischem Geschlecht.

KULTURGESCHICHTLICHE BEDEUTUNG
Bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts verteidigte das Reichskloster immer wieder erfolgreich seine Unabhängigkeit. 1065 war das Kloster gezwungen, eine Burg zu errichten, die Starkenburg im benachbarten Heppenheim, um feindliche Angriffe abzuwehren. Es war das erste Mal in seiner Geschichte, dass sich das Kloster dem herrschenden König widersetzte und ihn dazu zwang, die alten Rechte für Lorsch wieder herzustellen. 1461 verpfändete Mainz das Kloster Lorsch an die Kurpfalz. Knapp ein Jahrhundert später wurde es im Zuge der Reformation durch den Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz aufgelöst.

KLOSTERGELÄNDE (UNESCO WELTERBE)

Wenige Jahre nach der Gründung der frühen Abtei Altenmünster im Jahr 764 wurde auf einer benachbarten eiszeitlichen Flugsanddüne eine neue Klosteranlage errichtet. Karl der Große, dem die Abtei übertragen worden war, erhob sie zu einem seiner wichtigsten Reichsklöster. Bei der Weihe der Klosterkirche 774 war Karl persönlich mit Familie und Hofstaat anwesend. Drei Bauten der ehemals großen Anlage sind verblieben: ein Fragment der Nazarius-Basilika, ein Abschnitt der Klostermauer und die berühmte Königshalle. Durch die Neugestaltung des Weltererbes Kloster Lorsch im Jahr 2014 sind beide Klosterareale – die frühe und die spätere Klostergründung – erstmals landschaftsarchitektonisch miteinander verbunden.

KÖNIGSHALLE (UNESCO WELTERBE)

Die weltberühmte Lorscher Königshalle ist der architektonische Höhepunkt des UNESCO Welterbes. Das Gebäude mit seinem antiken und frühmittelalterlichen Fassadendekor ist eines der wenigen nahezu vollständig erhaltenen Zeugnisse karolingischer Baukunst überhaupt. Bis heute gibt die Funktion des Gebäudes, das im Vorhof der Basilika lag, Rätsel auf. Das Obergeschoss (nur mit Führung zugänglich) zeigt teilweise sehr gut erhaltene Wandmalereien aus karolingischer Zeit und verschiedenen Jahrhunderten.

KIRCHENFRAGMENT (UNESCO WELTERBE)

Das Kirchenfragment gehört zur Basilika des frühen 12. Jahrhunderts. Es bildete einst die drei westlichen Joche des Mittelschiffs der Vorkirche der Nazarius-Basilika, die im 30jährigen Krieg, 1621, weitgehend zerstört wurde. Es ist wahrscheinlich, dass es im Bereich des Kirchenfragments Vorgängerbauten gegeben hat.

KLOSTERMAUER (UNESCO WELTERBE)

Zu den wenigen erhaltenen Bauten der ehemaligen Klosteranlage gehört die Klostermauer, deren südlicher Teil noch heute zu sehen ist. Mit einer Höhe von drei bis vier Metern und einer Länge von rund 500 Metern ist sie das größte noch original vorhandene Bauwerk des Klosters.

MUSEUMSZENTRUM

Die klostergeschichtliche Abteilung des Museumszentrums widmet sich der geistes geschichtlichen Bedeutung des ehemals so mächtigen Lorscher Klosters und Stifts. Das Herzstück der Ausstellung ist die Inszenierung eines frühmittelalterlichen Skriptoriums. Hier werden Details und Hintergründezur Klosterschreibstube und der Bibliothek erläutert, die als eine der bedeutendsten ihrer Zeit galt. Beide spielten für die Bildungsreform Karls des Großen eine wichtige Rolle. Das Museumszentrum beherbert außerdem das Tabakmuseum der Stadt Lorsch, eines der größten seiner Art in Deutschland.

SCHAUDEPOT ZEHNTSCHEUNE

Das in den 1590er Jahren errichtete Gebäude diente ursprünglich der Lagerung des Zehnt und wurde in den letzten Jahren aufwändig umgebaut. Das modern inszenierte Schaudepot versammelt Zeugnisse aus nahezu 200 Jahren archäologischer Grabungsgeschichte und Bauforschung am Kloster Lorsch. Hierzu zählen spätantike Objekte aus dem 2. und 3. Jahrhundert ebenso, wie karolingische Säulen und Kapitelle aus der Blütezeit des Klosters, aber auch eindrucksvolle Belege für anspruchsvolles Bauen in den nachfolgenden Epochen. Das Schaudepot Zehntscheune ist nur mit Führung zugänglich.

Weitere Informationen zur Zehntscheune: Schaudepot Zehntscheune

KRÄUTERGARTEN ZUM LORSCHER ARZNEIBUCH

Das Lorscher Arzneibuch, das 2013 in das UNESCO Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde, steht für den Beginn der modernen Medizin in der nachantiken westlichen Welt. Der große, neu angelegte Kräutergarten liegt hinter der Zehntscheune. Hier findet man ca. 200 verschiedene Medizinal- und Heilpflanzen, wie sie im Lorscher Arzneibuch vorkommen.

KAROLINGISCHES FREILICHTLABOR LAURESHAM

Wie die Menschen zu Zeiten Karls des Großen gelebt haben, zeigt das Freilichtlabor Lauresham. Das auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse errichtete 1-1 Modell eines karolingerzeitlichen Herrenhofes ist die erste idealtypische Rekonstruktion eines großen frühmittelalterlichen Wirtschaftshofes. Die rund 4 Hektar große Anlage umfasst insgesamt 21 Wirtschafts-, Wohn- und Stallbauten sowie eine Kapelle. Etliche Nutztierrassen, die in ihrer Erscheinung den frühmittelalterlichen Tieren so nahe wie möglich kommen, vermitteln neben täglichen Arbeiten und Feldversuchen den Besuchern ein lebendiges und wissenschaftlich fundiertes Bild vom Alltagsleben auf einem frühmittelalterlichen Herrenhof. Im täglichen Betrieb wird in den Bereichen Ackerbau, Viehzucht und Handwerk geforscht.

Weitere Informationen zu Lauresham: Freilichtlabor Lauresham

KLOSTER ALTENMÜNSTER (UNESCO WELTERBE)

Am kleinen Fluss Weschnitz errichteten die Rupertianer, die mit dem Herrscherhaus der Karolinger eng verbunden waren, ein Hauskloster. Diese erste Abtei wurde 764 erstmals urkundlich erwähnt. Aus Platzgründen wurde der Standort bald aufgegeben. Die neugestaltete Landschaft verdeutlicht die Umrisse der ehemaligen Anlage und vermittelt einen Eindruck von der Ausdehnung des Kernbereichs des ehemaligen Klosters.

PREISGEKRÖNTE MUSEUMSPÄDAGOGIK

Die Museumspädagogik des Klosters Lorsch wurde mit einem Preis der Deutschen UNESCO Kommission ausgezeichnet. Vom Schreiben mit der Gänsefeder bis zum mittelalterlichen Metallguss und Rätsel-Lese-Nächten bietet man ein ausgesprochen vielfältiges Programm für kleine und große Leute, die mehr über das Leben zur Zeit der Karolinger innerhalb und außerhalb des Klosters wissen möchten.
Weitere Informationen zur Museumspädagogik: Link zur Homepage

Gästeführungen

Informationen zu den unterschiedlichen Gästeführungen in Lorsch finden Sie hier: Gästeführungen

Öffnungszeiten

Das Gelände des UNESCO-Welterbe Kloster Lorsch steht bis Einbruch der Dunkelheit jedermann offen und kann kostenlos betreten und besucht werden.

Anschrift

UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Lorsch
Nibelungenstraße 32
64653 Lorsch

Telefon (0)6251-5 14 46

Fax (0)6251-58 71 40
buchung@kloster-lorsch.de

frei zugänglich / immer geöffnet

Das Gelände des UNESCO-Welterbe Kloster Lorsch steht bis Einbruch der Dunkelheit jedermann offen und kann kostenlos betreten und besucht werden. Besondere Einrichtungen hingegen sind nur mit Ticket bzw. mit Führung zugänglich (Königshalle, Zehntscheune, Museumszentrum, Lauresham).

Bitte geben Sie Ihre Startadresse ein

Reiseauskunft der Deutschen Bahn AG

Geben Sie bitte Ihren gewünschten Abfahrtsort ein. Sie können auch die Straße und Hausnummer mit eingeben, für eine genaue Berechnung der Strecke.