Wirtschaftsregion

MIT HAMMER UND MEISSEL

Sandsteinskulpturen erwecken nach 800 Jahren die Nibelungen zu neuem Leben / Kreativ-Projekt des Odenwaldklubs macht mit Hilfe der Miltenberger Schülerinnen und Schüler und des Steinbildhauermeisters Alexander Schwarz große Fortschritte

Mit Hammer und Meissel
Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse der Mittelschule Miltenberg nutzten zwei Wochen lang ihren Pausenhof als Open-Air-Werkstatt. Alexander Schwarz (2.von links) gab die notwendigen Anleitungen, Josef Eck, der Vorsitzende des Odenwaldclubs, und Miltenberg Bürgermeister Helmut Demel (4. und 2. von rechts) waren am Dienstagvormittag interessierte Zuschauer. - © Main Echo, Heinz Linduschka

25.09.2019 / Wanderungen durch die reizvolle Landschaft des Odenwaldes stehen hoch im Kurs, vor allem, wenn auf diesen Wegen noch zusätzlich zur Natur etwas für Kopf und Herz geboten wird. Am Frühjahr 2020 wird es einen neuen Magneten für Touristen und wanderfreudige Einheimische geben: Josef Eck, Vorsitzender des federführenden Odenwaldklubs (OKW) Miltenberg, spricht von einem „Projekt der Jugend für die Jugend“ und freut sich spürbar auf die Fertigstellung des Weges. Der neue Jugendwanderweg "JW/B" wurde bereits vor den bayerischen Sommerferien von den Schülerinnen und Schülern der Bürgstädter Mittelschule ausgewiesen. Nun folgen handgemeißelte Sandsteinskulpturen zur Nibelungensage, die auf einem Teilstück des 10 Kilometer langen Rundwegs und parallel verlaufenden Nibelungensteigs aufgestellt werden.

Doch auch wenn es sich um ein Projekt der Jugend für die Jugend handelt, sind natürlich auch Erwachsene herzlich eingeladen, sich auf die Spuren der Nibelungen zu begeben und die Protagonisten mit ihrer Phantasie zum Leben zu erwecken. Dank der fleißigen Bürgstädter Mitterlschüler ist der Weg am Bürgstädter Berg bereits so markiert, dass man sich nicht verlaufen kann. Der zweite Schritt ist das Fertigen und Aufstellen der dazugehörigen Sandsteinskulpturen. Aktuell sind knapp 40 Mädchen und Jungen aus den Abschlussklassen der Mittelschule Miltenberg dabei, unter der fachkundigen Anleitung des Steinbildhauers Alexander Schwarz aus Dorfprozelten aus bis zu einen Meter auf 80 Zentimeter großen Miltenberger Bundsandsteinen neun Figuren rund um die Nibelungensage herauszuarbeiten. Ein Besuch im Innenhof der Schule, die für zwei Wochen zu einer belebten Open-Air-Werkstatt mutiert ist, zeigt, dass die 15- bis 17-Jährigen echte Schwerarbeit leisten müssen, dabei aber das Feingefühl und die Vorsicht nie verlieren dürfen. Eines verlieren sie tatsächlich nie: die Freude an der Arbeit und am Gestalten. Die Begeisterung leuchtete auch den acht jungen Künstlern aus den Augen, sobald am Dienstagvormittag an den großen Steinen allmählich Strukturen sichtbar wurden, die ahnen ließen, dass da Siegfried entsteht, dort Hagen, hier die schöne Kriemhild, und die rachsüchtige Brunhild, dort der Zwerg Alberich mit seinem Goldschatz, um den sich alle reißen und für den die Jugendlichen eine mächtige Schatztruhe aus dem Sandstein meißeln.

Acht Mittelschüler der Abschlussklasse arbeiten jeweils drei Schulstunden im Innenhof am Vormittag, auch für einen erfahrenen Steinmetzmeister wie Alexander Schwarz die Obergrenze, um sich jedem und jeder Einzelnen intensiv widmen und die richtigen Tipps geben zu können. An den anderen drei Stunden kommt eine andere Gruppe von Schülerinnen und Schülern und arbeitet an den Skulpturen weiter. Alles ist offensichtlich perfekt durchorganisiert – von der Seite der Mittelschule und von Alexander Schwarz und es funktioniert so perfekt, dass die Skulpturen tatsächlich nach den vorgesehenen zwei Wochen fertig gestellt werden. Der dritte und letzte Schritt ist die Gestaltung von passenden Infotafeln. Auch hier ist der Odenwaldklub Miltenberg wieder federführend tätig - die Familien und Jugendgruppe des OKW wird diese Aufgabe übernehmen. Am 14. Mai 2020, dem Tag des Wanderns, wird der rundum attraktive Weg dann offiziell eingeweiht.

Viele haben mitgeholfen, um dieses umfangreiche Projekt zum Erfolg zu machen. Natürlich Schüler und Lehrer der beiden Mittelschulen, die Kommunen Bürgstadt und Miltenberg, der Steinbildhauermeister Alexander Schwarz, der Odenwaldklub als Initiator und Hauptverantwortlicher. Sein erster Vorsitzender Josef Eck ist von der Arbeit der jungen Künstler, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre, rundum begeistert. Auch Bürgermeister Helmut Demel schaute beim Werkeln im Schulhof ganz genau zu, wie die Jungen und Mädchen mit viel Geschick und Elan bei der Arbeit waren. Schon mehrfach hat er sich als Fan der Sage rund um die Nibelungen geoutet und ist sicher, dass junge Menschen von dieser durchaus dramatischen Geschichten fesseln werden. Auch die Berufsschule Obernburg ist am Projekt beteiligt. Von ihr kommen Metallrequisiten, die dafür sorgen, dass die Figuren unverwechselbar sind. So auch das glänzende Schwert Siegfrieds und der todbringende Metallspeer, den Hagen dem blonden Helden zwischen die Schulterblätter rammte. Die Sandsteinskulpturen sollen bis zum Frühjahr sicher und attraktiv auf große Findlinge am Wegrand montiert werden. All das wäre ohne großzügige Sponsoren nicht möglich gewesen: Das Kunstnetz finanzierte die Workshops mit, die beiden Kommunen Miltenberg und Bürgstadt zeigten sich großzügig und hilfsbereit, die beiden Schulen mit ihren Schulleitungen arbeiteten offen und konstruktiv mit, der Lionsclub Amorbach-Miltenberg konnte als ein Hauptsponsor gewonnen werden, auch das Schulamt und der Odenwaldklub leisteten ihren Beitrag zum Gelingen. Alle, vor allem aber die beteiligten Schülerinnen und Schüler fiebern jetzt schon dem 14. Mai nächsten Jahres entgegen, wenn der fertiggestellte Jugendwanderweg offiziell eröffnet wird. Vielleicht werden dabei auch die ersten beiden Zeilen des Nibelungenlieds zu hören sein: „Uns ist in alten / mæren wunders vil geseit // von helden lobebæren, / von grôzer arebeit.“ Man darf sicher sein: Diese Arbeit hat sich gelohnt, und während „arebeit“ im frühen 13. Jahrhundert vor allem Plage bedeutete, so überwog in Miltenberg und Bürgstadt im Jahr 2019 ganz deutlich die Freude über das gemeinsame Projekt.

Info: Informationen und Impressionen zum Projekt gibt es beim Odenwaldklub Miltenberg und seinem Vorsitzenden Josef Eck www.owk-miltenberg.de.
Text (abgewandelt): Heinz Linduschka, Main Echo.

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Josef Eck, 1. Vorsitzender
Am Vogelsberg 3
63927 Bürgstadt
Tel.: +49 (0)9371-9492980
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www.owk-miltenberg.de

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